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Themen und Kriterien

Themen und Kriterien

Jedes Thema enthält vier Kriterien, also ein Kriterium pro Handlungsfeld. Beachten Sie vor einer Bewerbung unsere Hinweise zu den Handlungsfeldern. Dort finden sich auch allgemeine Grundsätze, die für alle zu einem Handlungsfeld gehörenden Kriterien gelten.

Thema A
Partizipation und Citizen Science

Die Bibliothek setzt verschiedene Methoden von Partizipation und Mitbestimmung gemeinsam mit ihren Nutzer*innen ein. Sie bezieht Nutzer*innen in Entscheidungen ein und ermöglicht ihnen das Mitwirken in Prozessen der Bibliothek. 

Eine besondere Form der Partizipation ist Citizen Science. Citizen Science ermöglicht die Beteiligung von Bürger*innen, die nicht hauptberuflich im Wissenschaftsbereich arbeiten, am wissenschaftlichen Prozess (Beispiele finden sich auf der Plattform mit:forschen!).

Die Bibliothek wirkt als Schnittstelle für verschiedene Akteure aus Gesellschaft und Wissenschaft, indem sie ihre Infrastrukturen, ihr Bildungsangebot oder ihr Know-how teilt. Dafür geht sie Kooperationen mit offenen Netzwerken ein. Unter offenen Netzwerken verstehen wir (hochschul-)externe, zivilgesellschaftliche Projekte und Initiativen, die sich für Openness einsetzen, wie z. B. Wikimedia, Wikidata, OpenStreetMap, Open Knowledge Foundation etc..

Kriterium A1: Vermittlung und Beteiligung an Citizen Science und partizipativen Projekten

Nachweis: Dokumentation mindestens eines öffentlichen Beteiligungsangebots oder einer öffentlichen Veranstaltung im Bereich Partizipation und Citizen Science. 

Beispiele: 

  • Einbindung von Freiwilligen bzw. Ehrenämtler*innen in die eigenen Aktivitäten der Bibliothek. Das können wissenschaftliche oder bibliothekarische Aktivitäten wie z. B. kollaborative Arbeiten mit (Meta-)Daten sein.
  • Einbindung der Nutzer*innen in die Gestaltung der Bibliothek und ihrer Prozesse, z. B. durch Befragungen.
  • Wissenschaftsvermittlung für Nutzer*innen der Bibliothek 
  • Öffentlich zugängliches Kursangebot zu digitalen Kompetenzen mit Fokus auf Citizen Science
Kriterium A2: Räume für Partizipation und Citizen Science

Nachweis: Dauerhafte oder anlassbezogene Bereitstellung von Räumen der Bibliothek für offene Netzwerke oder Citizen-Science-Projekte.

Beispiele:

  • Bereitstellung von Räumlichkeiten für partizipative Projekte mit dem Fokus auf eine öffentliche, gemeinnützige Nutzung wie z. B. Makerspace, Repair-Café o. ä.
  • Bereitstellung von Räumen für Hackathons oder andere Veranstaltungen von offenen Netzwerken oder Citizen-Science-Projekten.

Hinweis: Bereitstellung von Daten wird unter D2 gewertet. Aktive Mitwirkung an Veranstaltungen bzw. Projekten wird unter A4 gewertet.

Kriterium A3: Citizen Science und partizipatives Handeln als strategisches Handlungsfeld

Nachweis: Strategiedokument der Bibliothek, aus dem hervorgeht, dass Aspekte von Citizen Science oder Bekenntnisse zum partizipativen Handeln in der Bibliothek verankert sind. 

Alternativ oder zusätzlich: Dokumentation über den Einsatz von digitalen Werkzeugen aus Citizen-Science-Projekten oder offenen Netzwerken im Arbeitsalltag der Bibliothek. 

Kriterium A4: Mit offenen Netzwerken und Citizen-Science-Projekten kooperieren

Nachweis: Aktive Mitarbeit in oder Unterstützung eines offenen Netzwerks im Wissens- oder zivilgesellschaftlichen Bereich. Möglich ist auch eine Kooperation mit einer externen Forschungseinrichtung oder wissenschaftlich tätigen Gesellschaft, sofern die Kooperation Citizen Science oder sonstige Aspekte von Partizipation betrifft.

Beispiele:

  • Mitarbeit in einem offenen Netzwerk
  • Kooperation in einem Citizen-Science-Projekt zusammen mit einer Hochschule, Forschungseinrichtung, Stadtverwaltung oder anderen Akteuren
  • Organisation und Durchführung gemeinsamer Veranstaltungen, Workshops, Hackathons etc. mit offenen Netzwerken oder Citizen-Science-Akteuren

Thema B
Inklusion und gesellschaftliche Verantwortung

Die Bibliothek fördert Inklusion und Teilhabe für alle Menschen. Sie setzt sich für einen gleichberechtigten Zugang zu Wissen und Information ein. Wo Barrieren bestehen, arbeitet die Bibliothek systematisch an deren Minimierung. Die Bibliothek setzt sich für Diversität ein. Diskriminierung jeglicher Art tritt sie aktiv entgegen. Die Bibliothek arbeitet daran, diskriminierende Strukturen und diskriminierende Sprache in ihren Arbeitswerkzeugen zu identifizieren und zu beseitigen.

Hinweis: Die Barrierefreiheit von Gebäuden und Räumen kann vom Open Library Badge nicht geprüft werden.

Kriterium B1: Inklusive, interkulturelle und diversitätssensible Angebote

Nachweis: Dokumentation mindestens eines durchgeführten Kurses bzw. einer öffentlichen Veranstaltung mit inklusiver, interkultureller und/oder diversitätssensibler Ausrichtung.

Beispiele:

  • Bibliothekseinführung für Geflüchtete
  • interkulturelle Angebote wie Sprach-Cafés oder mehrsprachige Lesungen
  • Beteiligung an Aktionstagen wie dem “Tag der offenen Gesellschaft”
  • Veranstaltungen in Gebärdensprache bzw. mit Simultandolmetschung in Gebärdensprache
Kriterium B2: Barrierearme Infrastrukturen

Nachweis: Betrieb bzw. Vorhandensein mindestens einer barrierearmen physischen oder digitalen Infrastruktur.

Beispiele:

  • barrierearmer Katalog: Online-Schnelltest WAVE darf keine Fehlermeldungen (Errors) und Warnungen (Alerts) melden, Ausnahmen bitte begründen
  • barrierearmer Bestand, z. B. Hörbücher im DAISY-Standard, Print-Bestand in Braille oder Großdruck
  • unterstützende Hardware, z. B. Lesegeräte für Menschen mit Seh- oder Lesebehinderungen, Braille-Tastaturen
Kriterium B3: Strategien für Barrierearmut, Interkulturalität und Vielfalt; barrierearme Informationsangebote

Nachweis: Strategiedokument der Bibliothek zum Thema Barrierearmut.

Alternativ oder zusätzlich: Strategiedokument der Bibliothek zum Themenspektrum  Interkulturalität und Diversität. Beispiele für mögliche Inhalte:

  • gendersensible Sprache
  • Umgang mit diskriminierenden Titeln, Klassifikationen, Vokabularen, Normdaten
  • Diversität in der Personalgewinnung und -entwicklung
  • Diversität in Lehrmaterialien

Alternativ oder zusätzlich: Vorhandensein mindestens eines barrierearmen digitalen Informationsangebots, z. B.

  • veröffentlichte Videos mit Untertiteln, Audiodeskription und Übertragung in Gebärdensprache
  • barrierearme Webseite: Online-Schnelltest WAVE darf keine Fehlermeldungen (Errors) und Warnungen (Alerts) melden, Ausnahmen bitte begründen.
Kriterium B4: Netzwerke und zivilgesellschaftliche Akteure zu Barrierearmut, Interkulturalität und Vielfalt unterstützen

Nachweis: Zusammenarbeit mit bzw. Engagement in Netzwerken zu Inklusion, Diversität und ähnlichen Themen (a). Alternativ oder zusätzlich Zusammenarbeit mit zivilgesellschaftlichen und politischen Akteuren zu Inklusion, Diversität und ähnlichen Themen (b).

Beispiele (a):

  • Deutsches Zentrum für barrierefreies Lesen
  • dbv-Kommissionen “Kundenorientierte Services” und “Bibliotheken und Diversität”
  • Section for Libraries Serving Persons with Print Disabilities in der IFLA
  • Mediengemeinschaft für blinde, seh- und lesebehinderte Menschen e. V.

Beispiele (b):

  • migrantische Selbstorganisationen
  • Willkommensinitiativen
  • Initiativen aus dem LGBTQ*-Spektrum

Thema C
Open Access

Die Bibliothek engagiert sich für Open Access gemäß der Berliner Erklärung. Die Bibliothek begreift Open Access (OA) als strategische Aufgabe und bezieht die drei wichtigsten Wege des OA in ihr Handeln ein: Gold (gebührenfinanzierte OA-Erstpublikationen in Verlagen), Green (OA-Zweitveröffentlichungen) und Diamond (für Autor*innen gebührenfreie OA-Erstpublikation in institutionellen Infrastrukturen).

Kriterium C1: Beratung und Schulung zu Open Access

Nachweis: Dokumentation mindestens eines Beratungs- und Vermittlungsformats, das gezielt Open Access adressiert oder in ein umfassenderes Open-Science-Angebot eingebettet ist.

Kriterium C2: Infrastruktur für Open Access

Nachweis: Betrieb mindestens einer Infrastruktur, die das Open-Access-Publizieren ermöglicht bzw. unterstützt. 

Beispiele:

  • Repositorium für Open-Access-Inhalte der eigenen Einrichtung
  • OA-Publikationssysteme, z. B. OJS, OMP
  • Integration von Open-Access-Quellen im Bibliothekskatalog (inkl. Suchfacette ‘Open Access’ und Anzeige der Datenquellen/Kollektionen)
Kriterium C3: Finanzielle Förderung und Vorbildwirkung

Nachweis: Vorhandensein eines Publikationsfonds, aus dem die Angehörigen der eigenen Einrichtung kostenpflichtige OA-Publikationen (mit-)finanzieren können.

Alternativ oder zusätzlich: Strategiedokument, aus dem hervorgeht, dass die Bibliothek bzw. ihre Mitarbeiter*innen alle eigenen Publikationen Open Access stellen. Das kann in Form primärer OA-Publikationen (Gold, Diamond, Hybrid) oder auch zeitversetzt als Zweitveröffentlichungen (Green) erfolgen. 

Alternativ oder zusätzlich: Bibliografie oder Jahresbericht der Bibliothek oder Trägereinrichtung, aus denen hervorgeht, dass alle eigenen Publikationen der Bibliothek bzw. ihrer Mitarbeiter*innen des vergangenen Kalenderjahres Open Access zur Verfügung stehen (primäre OA-Publikationen oder “grüne” Zweitveröffentlichungen, mit entsprechenden Links).

Kriterium C4: Konsortiale Finanzierung und Mitgliedschaften zur Unterstützung von Open-Access-Services

Nachweis: Teilnahme an der konsortialen Finanzierung von OA-Publikationen oder OA-bezogenen Services.

Alternativ oder zusätzlich: Mitgliedschaft in oder Beteiligung an OA-Projekten und -Netzwerken.

Beispiele: 

  • OA-Publikationen: Subscribe to Open, KOALA, iOLEcon, Pledging-Modelle, Crowdfunding u. ä.
  • OA-Services: B!SON, DeepGreen
  • OA-Netzwerk: oa.network
  • OA-Projekt: SeDOA

Thema D
Open Data

Die Bibliothek setzt sich für die Zugänglichmachung kuratierter, qualitativ hochwertiger Daten zur freien Nutzung, Weiterverbreitung und Nachnutzung ohne jede Einschränkung ein.

Bibliotheken können eigene Daten (z. B. Katalogdaten, digitalisierte Bestände) verfügbar machen, um Sichtbarkeit, Nutzung und Verbreitung zu fördern. Open Data bietet die Chance, Kooperationen zwischen Institutionen zu stärken und Nutzer*innen stärker einzubinden.

Bibliotheken fördern Datenkompetenzen (Data Literacy). An wissenschaftlichen Einrichtungen setzen sie sich für verantwortungsbewusstes Forschungsdatenmanagement (FDM) ein, das in allen Phasen des Forschungsprozesses zur Qualitätssicherung beiträgt. Damit schaffen sie zugleich die notwendige Grundlage für qualitativ hochwertige Open Data im Forschungsbereich, wodurch Forschungsdaten langfristig und personenunabhängig zugänglich, nachnutzbar und nachprüfbar gehalten werden. Bei ihren FDM-Aktivitäten berücksichtigt die Bibliothek die FAIR– und CARE-Prinzipien.

Kriterium D1: Data Literacy vermitteln

Nachweis: Dokumentation mindestens eines Beratungs- und Vermittlungsformats zu offenen Daten und/oder zum Forschungsdatenmanagement (FDM). 

Beispiele:

  • Schulungen zu Data- und Coding Literacy
  • Policy-Beratung, Informationsmaterialien (z. B. Handreichungen) 
  • Beteiligung an themenspezifischen Veranstaltungsformaten (z. B. Love Data Week, Code Week) 
  • Bereitstellung von Informationsmaterial zu Themen wie Open Data, Data Literacy oder Forschungsdatenmanagement
Kriterium D2: Digitale Sammlungen und Datenbestände öffnen

Nachweis: Bereitstellung von Datensätzen, Datenkollektion(en) oder Plattform(en) mit Digitalisaten aus den eigenen Beständen der Bibliothek. Diese erfolgt unter Berücksichtigung ethischer Aspekte (z. B. Provenienzen), mit offenen Metadaten, offenen Lizenzen und standardisierten Schnittstellen (z. B. OAI-PMH, IIIF, SPARQL). 

Alternativ oder zusätzlich: Veröffentlichte Fotos der eigenen Einrichtung unter einer offenen Lizenz auf einer geeigneten Plattform, z. B. Wikimedia Commons.

Alternativ oder zusätzlich: Die Bibliothek ermöglicht ihren Nutzer*innen das Text- und Data-Mining in eigenen und in lizenzierten Beständen. 

Beispiele:

  • Links zu Datensätzen, Kollektionen, Schnittstellen
  • technische Dokumentation der Schnittstellen
  • Webseite mit Erläuterungen zum Text- und Data-Mining in eigenen und/oder lizenzierten Beständen
Kriterium D3: Open Data strategisch unterstützen unter Berücksichtigung von Diversität, Ethik und Teilhabe

Nachweis: Strategiedokument der Bibliothek, das Grundsätze für die offene Bereitstellung von Forschungs- und/oder Kulturdaten etabliert und idealerweise auch Aspekte der gesellschaftlichen Verantwortung in Bezug auf Daten integriert, z. B. Sichtbarmachung von Provenienzen in Metadaten oder Maßnahmen zur diskriminierungssensiblen Datenpraxis.

Kriterium D4: Aktive Beteiligung an offenen Dateninitiativen und Communitys

Nachweis: Aktive Mitwirkung in Netzwerken und bei Veranstaltungen, die sich für offene, faire und gerechte Datenpraktiken einsetzen. 

Beispiele:

  • Open-Data-Netzwerke: Berlin Open Data, Bertelsmann Open Data, Open.NRW, Open Data Brandenburg etc. 
  • FDM-Netzwerke: RDA, GO FAIR, NFDI-Sektionen

Thema E
Open Source

Die Bibliothek unterstützt die Erstellung, Weiterentwicklung und Verbreitung von Open-Source-Software gemäß der Definition der Open Source Initiative. Ziel ist es, die Open-Source-Landschaft langfristig zu stärken, nachhaltig nutzbar zu machen und zugleich die digitale Souveränität von Bibliotheken, Wissenschaft und Gesellschaft zu fördern.

Bibliotheken können sich hier insbesondere einbringen, indem sie Open-Source-Lösungen bewusst nutzen und fördern und indem sie Open-Source-Software betreiben und weiterentwickeln.

Kriterium E1: Informationsarbeit zu Open-Source-Lösungen

Nachweis: Dokumentation mindestens eines Beratungs-, Schulungs- oder Informationsangebots, das gezielt Open Source adressiert oder in ein umfassenderes Open-Science-Angebot eingebettet ist.

Beispiele:

  • Individuelle Beratung oder Schulungen (vor Ort oder online) zur Nutzung von Open-Source-Software, z. B. für wissenschaftliche Arbeitsprozesse, oder zur Veröffentlichung eigener Codes (Software, Tools, Skripte) unter einer offenen Lizenz.
  • Öffentlich zugängliche Materialien wie Anleitungen, Tool-Empfehlungen, Video-Tutorials oder Best-Practice-Sammlungen.
Kriterium E2: Offene Lösungen für die Community bereitstellen

Nachweis: Betrieb mindestens eines Infrastrukturdienstes für Dritte, der auf Open-Source-Lösungen basiert.

Beispiele: 

  • Cloudspeicher (Nextcloud)
  • Discovery-Systeme (VuFind)
  • Repositorien (DSpace)
  • Social-Media-Plattformen (Mastodon)
  • Content-Management-Systeme (WordPress)
  • Videokonferenzsysteme (BigBlueButton). 

Hinweis: Das Bereitstellen von Räumen für Open-Source-orientierte Veranstaltungen wie Hackathons oder Coding-Workshops wird unter A2 gewertet.

Kriterium E3: Open Source strategisch einsetzen und entwickeln

Nachweis: Strategiedokument der Bibliothek, aus dem hervorgeht, dass die Bibliothek Open Source strategisch verankert und gezielt einsetzt. Das kann die Nutzung von Open-Source-Lösungen statt proprietärer Alternativen für bibliotheksnahe oder Basis-IT-Dienste umfassen, z. B. Betriebssysteme wie Linux, Bibliotheksmanagementsysteme wie FOLIO oder Koha und Office-Anwendungen wie LibreOffice.

Alternativ oder zusätzlich: Veröffentlichung eigener Entwicklungen (Software, Tools, Skripte, Komponenten) unter einer offenen Lizenz, z. B. über GitHub oder GitLab.

Kriterium E4: Entwicklung und Verbreitung von Open Source mitgestalten

Nachweis: Unterstützung von Open-Source-Projekten und -Initiativen (z. B. DSpace, FOLIO, Koha, VuFind), z. B. durch:

  • Mitgliedschaften in Trägerorganisationen
  • Testing, Dokumentation oder Übersetzungen
  • Bereitstellung von Schulungsmaterialien
  • Beteiligung an Community-Aktivitäten (Foren, Issue-Tracker, Governance-Gremien)
  • Finanzielle Förderung

Hinweis: Code-Beiträge der Bibliothek zu kooperativ entwickelter Open-Source-Software werden unter E3 gewertet.

Thema F
Open Educational Resources

Die Bibliothek erkennt Open Educational Resources (OER) als wichtigen Beitrag zu frei zugänglicher Bildung und lebenslangem Lernen an. OER sind freie Bildungsmaterialien, die Lehrenden und Lernenden ohne die Zahlung von Lizenz- oder Nutzungsgebühren zur Verfügung stehen.

Die Bibliothek versteht ihre Aufgabe in der Erstellung, Erschließung und Vermittlung von Open Educational Resources. Mit ihren Aktivitäten unterstützt und verbessert sie die Auffindbarkeit, Sichtbarkeit und langfristige Nachnutzbarkeit offener Bildungsressourcen. Sie entwickelt eine Strategie für den Umgang mit OER und unterstützt Menschen bei der Erstellung und Nachnutzung freier Bildungsmedien.

Kriterium F1: Kompetenz für Open Educational Resources fördern

Nachweis: Dokumentation mindestens eines Beratungs- und Vermittlungsformats, das gezielt Open Educational Resources adressiert oder in ein umfassenderes Open-Science-Angebot eingebettet ist. 

Beispiele:

  • Schulungs- und Beratungsangebot zur Erstellung oder Verwendung von Lehr- und Lernmaterialien unter offener Lizenz 
  • Sprechstunden oder Webinare zu Themen wie offenen Bildungsressourcen, Lizenzen für OER oder Open Pedagogy
Kriterium F2: Sichtbarkeit von Open Educational Resources ermöglichen

Nachweis: Betrieb mindestens einer Infrastruktur, die eine Bereitstellung von offenen Bildungsressourcen ermöglicht und unterstützt. 

Beispiele:

  • Repositorium oder OER-Portal, in dem Lehr- und Lernmaterialien abgelegt werden können 
  • Einbindung von OER in den eigenen Katalog
  • Verwendung des spezifischen Metadatenstandards für OER (z. B. LOM for Higher Education OER Repositories, AMB)
Kriterium F3: Open Educational Resources als strategisches Handlungsfeld

Nachweis: Strategiedokument der Bibliothek, aus dem hervorgeht, dass die Förderung von Open Educational Resources ein fester Bestandteil ihrer Kultur ist.

Alternativ oder zusätzlich: Link zu einem OER-Portal oder Repositorium, das eigene Lehr- und Lernmaterialien der Bibliothek frei verfügbar unter einer offenen Lizenz enthält, z. B.  Selbstlernkurse, Tutorials oder Videos.

Kriterium F4: Engagement in Open-Educational-Resources-Netzwerken

Nachweis: Aktive Mitarbeit in OER-Netzwerken oder Gremien bzw. gemeinsame Projekte und Veranstaltungen.

Beispiele:

  • Mitgliedschaft in OER-Arbeitsgruppen oder Fachgremien (z. B. Bündnis Freie Bildung)
  • Mitwirkungen bei Veranstaltungen (z. B. OERcamp, OE Global Conference)
  • Kooperationsvereinbarungen oder Projektberichte zu gemeinsam mit OER-Community-Partnern durchgeführten Aktivitäten

Thema G
Open Government und Open Research Information

Die Bibliothek als öffentlich finanzierte Einrichtung strebt an, Bürger*innen den Zugang zu ihren internen Dokumenten und Prozessen zu ermöglichen. Open Government bedeutet für Bibliotheken hauptsächlich die offene Bereitstellung zentraler Kennzahlen und die frei zugängliche Dokumentation interner Prozesse, Strategien und Geschäftsgänge. 

Sofern an der Bibliothek bzw. der Trägereinrichtung Forschungsinformationen produziert und verarbeitet werden, setzt sich die Bibliothek für Open Research Information gemäß der Barcelona-Erklärung ein. Das umfasst die Offenheit und Nachnutzbarkeit von Informationen über Forschungsaktivitäten wie z. B. Publikationen und Forschungsprojekte. Auch der Einsatz für transparente Prozesse im Bereich der Forschungsbewertung kann hiermit einhergehen.

Kriterium G1: Weitergabe von Wissen und Erfahrungen im Bereich Open Government und Open Research Information

Nachweis: Dokumentation mindestens eines Beratungs- und Vermittlungsformats zu den Themen Open Government und/oder Open Research Information.

Kriterium G2: Eigene Infrastrukturen enthalten offene Forschungsinformationen

Nachweis: Betrieb mindestens eines Systems der Bibliothek oder Trägereinrichtung, das offene Forschungsinformationen enthält. Die Metadaten sind so weit wie möglich offen lizenziert und über Schnittstellen zugänglich.

Beispiele:

  • Schnittstelle des Forschungsinformationssystems mit Dokumentation und Angaben zur Nachnutzbarkeit der Metadaten
  • Schnittstelle des Bibliothekskatalogs mit Dokumentation und Angaben zur Nachnutzbarkeit der Metadaten
Kriterium G3: Offenlegung von Verwaltungs- und Finanzdaten, Strategien für Offenheit bei Forschungsinformationen und -bewertung

Nachweis: Veröffentlichte Kennzahlen und Verwaltungsdaten der Bibliothek in einem offenen, idealerweise maschinenlesbaren Format. Die enthaltenen Daten müssen über die Informationen hinausgehen, die im Rahmen der nationalen Bibliotheksstatistiken ohnehin abgefragt werden.

Beispiele: 

  • Link zu einem Datenportal mit Datensätzen der Bibliothek
  • eigenes Open Data Dashboard der Bibliothek
  • Beitrag von Datensätzen der Bibliothek bzw. Trägereinrichtung an die OpenAPC-Initiative (betrifft Open-Access-Publikationsgebühren wie APCs, BPCs, PAR-Fees)

Alternativ oder zusätzlich: Strategiedokument der Bibliothek, aus dem hervorgeht, dass die Bibliothek Open Government, Open Research Information und/oder die Unterstützung verantwortungsbewusster Forschungsbewertung als Handlungsmaximen begreift. 

Alternativ oder zusätzlich: Nachweis, dass die Bibliothek den Bezug proprietärer Forschungsinformationen eingestellt hat und stattdessen mit offenen Forschungsinformationen arbeitet.

Kriterium G4: Aktive Teilnahme an Netzwerken im Bereich Open Government, offene Forschungsinformationen und -bewertung

Nachweis: Engagement in Netzwerken, die Open Government und offene Forschungsinformationen fördern und/oder sich für eine verantwortungsbewusste Forschungsbewertung einsetzen.

Beispiele: